Ein Müllermädchen
(Ein Körbchen mit Brot und Salz überreichend.)
Auch mir erlaubt, Herr Bräut'gam, Jungfer Braut,
Daß ich meinen Glückwunsch Euch bringe,
Da morgen vereint Ihr das Nestchen Euch baut,
Gedenkt man an mancherlei Dinge:
Wohl tut es dem Herzen, wenn Freunde begleiten
Mit Wunsch und durch Tat, was wir ernstlich bereiten.
Seht in mir des Buschmüller's einfaches Kind;
Ich kam durch die Tat zu bekunden,
Daß ich Euch, Ihr Lieben, bin freundlich gesinnt,
Habt Ihr auch die Freud' oft empfunden:
Daß ferne und nah für Euch Herzen warm schlagen,
Euch ein Wörtchen der Liebe gern sagen.
Ich wurde erzogen im einsamen Tal,
Wo die Mühle am Waldstrom gelegen,
Und fühl mich zufrieden beim einfachen Mahl,
Im Garten der Blumen zu pflegen;
Mag gern den Sorgen der Wirtschaft mich weihen
Und freu' mich, wenn sie mir zum Segen gedeihen.
Was ist's nun, warum wir im frommen Gebet
Den Vater im Himmel stets bitten?
Um das unser Sorgen und Mühen sich dreht,
Im Palast, wie in ärmlichen Hütten?
"Das tägliche Brot!" - mög's Gott Euch stets schenken,
Daß Ihr noch könnt Arme voll Mitleid bedenken.
(Nimmt das Brötchen aus dem Korb und zeigt es den Brautleuten, legt es aber am Schluß des folgenden Verses wieder zurück, ebenso wird es mit dem Salz gemacht, das in einem Salzfasse enthalten ist, und erst am Ende der Rede wird das Körbchen, in dem Brot und Salz enthalten ist, der Braut überreicht.)
Drum hab' ich ein Brötchen für Euch mitgebracht,
Ins neue Haus morgen zu tragen;
Als Sinnbild, daß Wohlstand und Glück Euch stets lacht
Und ferne bleib' Not stets und Plagen.
Wenn Scheuern und Speicher mit Segen sich füllen,
Dann wird hier mein Wunsch sich prophetisch erfüllen.
Doch habe beim Brot ich hier auch nicht vergessen,
Was selbst auch der Ärmste nicht gerne entbehrt,
Denn fehlt es als Würze beim trefflichsten Essen,
Verliert an Geschmack es und ist nicht viel wert.
Wer wird nicht erraten an was ich hier denke?
Das Salz ist's, das auch in die Wirtschaft ich schenke.
Wird nimmer an Salz und an Brot es Euch fehlen,
Dann ist's in der Wirtschaft nicht übel bestellt;
Ihr dürft nie mit nagendem Hunger Euch quälen,
Lebt selbst in der Festung vom Feind Ihr umstellt
Ein Hühnchen im Topfe wird's Sonntags auch geben,
Und was man bedarf sonst zum täglichen Leben. -
Ja, fehlt es Euch niemals an Salz und an Brot,
Dann wird Eure Wirtschaft in Segen gedeihen;
Es färbt bei der Arbeit die Wange sich rot,
Ihr könnt auch dem Nachbar gern Gastfreundschaft weihen.
Drum nehmt's von mir hier mit vollem Vertrauen
Als Grundstein, den Tempel des Wohlstands zu bauen.

Ein Handelsjude
(Mit einem Barometer und Thermometer.)
Entschuldigen Se, verßaihn Se un tun Se excüsiehren,
Ich bin gegangen gekimmen um mir tzu recümmandieren;
Und ich find' ä Versammlung von auserwählte Leit -
Daß es scheint mir ain Fescht hier tzu tzain am Ende hait.
Woos - ä Brautpoor?! Se feiern zur Schtund
Ä Polterobend, as ich tzöll tzain getzund!
Soll mer Gott helfen! Es kunn bai mai Leben
Kaine graußere Fraide vor mir geben!
Ich bin nur ä Jüd, doch in Johrhundert
Werd Kainer nischt werden doriber verwundert,
Kimmt ä Jüd mit ä fraindlicher, herzlicher Sinn
Af'n christlich-germanischen Polterobend hin.
Vertzaihn Se, entschuldigen Se, excüsiehren Se drüm,
Wenn ich traib mer ä värtel Schtund hier herüm,
Ös wöre am Ende doch wos zu machen,
Ich handle mit alle mögliche Sachen:
Seegras-Krollhoor-Fehderbetten,
Noodelpausen, Bernschtainketten,
Taschen-, Schtuben-, Dielenuhren,
Schtiewelknechte, Gypsfiguren,
Morgenschuhe, Schlösselhaken,
Kinderschpielzaig, Unterjacken,
Parfiemrihen, Wiegenbänder,
Messer, Gobel, Ofenfender,
Hauben-, Kragen-, Busenschlaifen,
Mausegift und faine Saifen,
Alte Klaider, Schockelade,
Schtaatspeppierche, Hoorpommade,
Siegellack und Gift vor Fliegen,
Jede sterbt, was davon frißt,
Allens känn'n Se bai mich kriegen,
Allens, was ze kriegen ist!
(Nach einer Pause.)
Nu - wie haißt?! Se schwaigen alle schtill,
Is Kainer do, der eppes kaafen will?
Warraftigen Gott! Es tut mer doch laid,
Ich hatte mer schaun uf'n Handel gefrait;
Doch wissen Se wos? Veehrtes Poor,
Treten Se mol ä Bische vor.
Vertzaihn Se, ich hob hier ä Perremeter,
Der tzaigt ob gut, ob schlecht dös Wetter,
Und hier is ä Termemeter dobei,
Der tzaigt, wie kalt oder warm es sai!
Diese baiden Instremente, Se werden excüsiehren,
Behalten Se gitigst, ich werd kreiditieren;
Nach fünnefzig Johren kümm ich wieder vor,
Un hole vor jeden mer tzwai Lujedor!
Ihr Auge ist dem Perremeter glaich,
O, möcht es immer schaines Wetter kinden,
Und nie, daß es auf Regen tzeige, Euch
Der klainste Augenblick in Tränen finden.
Ihr Herze tut der Termemeter sain,
Die Liebe is dös Quecksilber dorain,
Wenn solches in die Höhe schtaigt,
Und nimmer sich zu dem Gefrierpunkt naigt,
So wird der Handel nimmer Euch gereun,
Ihr werdet glücklich schtets in Eurem Ehschtand sain!
Und göht es gut, hobt Ihr Prefit und Glück,
So denkt tzuweilen aach an mir tzurück,
Ich bin ä armer Jüd' un wenn Ihr wos bederft,
Sai die Recomdatschon noch ainmal aingeschärft.

Eine Köchin
(Mit einem Kuchen.)
Lieb Fräulein! mit Freuden hab' ich es vernommen,
Was es morgen für'n fröhliches Fest hier gibt;
Da bin ich denn eiligen Schritts auch gekommen,
Denn immer ja hab' ich Sie herzlich geliebt,
Sie wissen ja, als Sie im Flügelkleide
Noch fröhlich durchhüpften die heimische Flur,
Da war es stets meine innigste Freude,
Wußt' ich Sie fröhlich und heiter nur.
Ich dachte nun - ja, was wollt' ich doch sagen?
Mein Kopf wird fürwahr doch schon gar zu schwach!
Doch jetzt fällt mir's ein! ich wollte nur fragen,
Ob die junge Frau nicht zur Köchin mich mag?
Ich weiß zwar, Sie sind grad' nicht unerfahren,
Und wissen recht gut in der Küche Bescheid,
Doch kommen die Gäste geritten und gefahren,
Dann haben Sie selbst nicht zum Kochen Zeit.
Da wär' denn 'ne gute Köchin wohl nötig,
Die Alles besorgte nach Ihrem Sinn.
Sie dürfen nur sagen, gern bin ich erbötig
Gleich hier zu bleiben, so wie ich jetzt bin!
Ich koche trotz Einer! - 'ne kräftige Suppe
Für Sie und für den Herrn Gemahl,
Und Kuchen zu backen, das ist meine Puppe,
Bereuen würden Sie nie ihre Wahl.
Doch daß Sie nicht denken, ich will mich nur loben,
Wie man es nur gar zu oft jetzt vernimmt,
O nein! an dem Kuchen hier ist's zu erproben!
Ich weiß es, Sie wählen mich ganz bestimmt.
Allein, Sie soll'n sich nicht übereilen,
Es drängt ja so sehr mit der Entscheidung nicht,
Vergönnen Sie mir nur so lange zu weilen,
Bis ich gratuliert nach meiner Pflicht.
Der Freuden wünsche ich Ihnen so viele
Als Sterne am Himmel, als Tropfen im Meer.
Stets labe Sie Kühlung nach drückender Schwüle,
Stets blühe ein Frühling um sie her.
Und auch dem Herrn Bräutigam! ja, ihm auch daneben
Wünsch' ich von Herzen ein heitres Geschick!
Es schmücke mit Freuden, mit Liebe ihr Leben,
Dann, wahrlich, dann missen Sie nimmer das Glück.

Ein Postillon
Gott's Donnerwetter! - das war geritten
Als würde um Tod und Leben gestritten;
Denn Eile empfahl der Herr Postmeister mir,
Drum siehst Du, verehrtes Brautpaar, mich hier.
Zuerst soll ich diese Depesche Euch geben;
(Überreicht einen Brief.)
Dazu dieses Päckchen! - es gehört daneben.
(Hier kann nun ein Polterabendgeschenk einliegen und der Brief es mit Glückwunsch begleiten.)
Doch da ich bei Euch in N. N. (Name des Ortes) nun bin,
So nehmt auch von mir einen Glückwunsch hin. -
Er kommt recht von Herzen für Euch lieben Beide,
Drum hört mich bevor ich von Euch wieder scheide. -
Fahrt Ihr auf der Ehebahn morgen verbunden,
So würzt Euch durch Liebe die eilenden Stunden.
Zufriedenheit soll als Postillon euch geleiten,
Euch freundlich den Weg durch das Leben bereiten,
Und Freude wie Glück sei auf jeder Station
Für Eintracht und Liebe der sichere Lohn.
Die Eisenbahn taugt nicht fürs Ehestandsleben,
Zu rasch sehn den Wagen zum Ziele wir schweben.
Wie Täler und Berge hienieden wir sehn,
Und rascher und langsam hienieden wir gehn,
So soll auch das Leben im Ehestand sein,
Da halten Ein Tempo wir nimmermehr ein.
Ja, nehmt nur die Post als ein Beispiel stets an,
Wie man durch das Leben gelangen kann.
Und werdet Ihr immer Euch herzlich vertragen,
Dann fahrt Ihr beglückt in dem Ehestandswagen,
Bis endlich Ihr kommt auf die letzte Station;
Da winket von Gold Euch ein Kranz einst als Lohn.