Ein Bauernmädchen
(Bringt einen Korb mit Früchten, Eiern und dergl.)
So wär' ich denn endlich nun zur Stell'! -
Gehorsame Dienerin, liebe Mamsell!
Nehm' Sie's nicht ungütig, daß ich gekommen.
Aber als wir von Ihrer Hochzeit vernommen,
Ließ es uns alle nicht rasten noch ruhn,
Holten alles aus Kasten und Truhn,
Wollten uns alle schier sonntäglich tragen
Und mit vier Pferden herüberjagen,
Um Ihr in williger Devotion
Viel Segen zu wünschen und Gottes Lohn.
Allein meine Mutter sprach dagegen.
"Behüte Gott," sagt' sie, "allerwegen!
Der Braut, der würd' ja angst und weh,
Wenn zu ihr käm' eine solche Armee!
Ei nicht doch! - Ei du himmlische Güte!
Was sollt' das werden? - Ei Gott behüte!
Nein. Eine wählt ihr aus Eurer Mitte,
Die geht dann hin nach rechter Sitte,
Und bringt ihr ein wenig von diesem und dem,
Was fern in der Welt uns angenehm,
Und sagt ihr auch gleich auf die rechte Manier,
Wie's aussieht in all den Herzen hier."
Na also, Mamsellchen, ist's auch gekommen, -
Mich haben sie denn zur Botin genommen,
Dieweil ich Ihr nicht unbekannt,
Und sonst mich gut auf den Spruch verstand.
Auch nahm mich Mutter noch ins Gebet
Und sagte: "nun zeig' dich, Anne Margreth!
Und mach' einen Knix recht schmuck und fein,
Und zeig', daß wir Bauersleut' manierlich sein.
Aber das Herz wollt' entsinken mir,
Daß ich sollt' treten so dreist herfür
Und sprechen zu Ihr in solchem Kreis! -
O Gott und Herr, wie ward mir heiß! -
Allein da Sie stets so lieb gewesen,
So mach' ich auch nicht viel Federlesen
Und will's Ihr sagen mit frischem Wagen,
Was man für Sie mir aufgetragen.
Seh' Sie, wir Bauersleut' sind eigner Art,
Wir sind ein bisschen kurios und hart,
Und was sich spreizt und zieret fein,
Kommt drum noch nicht ins Herz uns herein.
Aber was langsam und sicher geht,
Was immer gütig, so früh wie spät,
Und immer treulich schafft und sich regt,
Und uns auch ein Herz entgegenträgt -
Das drängt sich uns in Brust und Blut
Und bleibt dann drinnen in guter Hut.
Wir halten fest, was wir besitzen,
So lang' die Stern' am Himmel blitzen.
Und Sie, Mamsellchen, das weiß Sie gut,
Daß Sie uns stets im Herzen geruht!
Sie will nun ziehn hinaus ins Reich,
So hört' ich - und weit! - Na, das ist uns gleich,
Denn ob Sie Land und Meer durchmißt,
Bei uns ist Keiner, der Sie vergißt.
Und da Sie nun Ihre Hochzeit hält,
So komm' auch all's, wie's Ihr gefällt!
Das Leben sei Ihr immer leicht,
Und hab' Ihr nichts als Gutes gereicht -
Gesundheit, Frohsinn und alles Heil,
Von Liebe und Freundschaft ein tüchtig Teil,
Und vor allem Gottes reichsten Segen,
Daran doch immer zumeist gelegen.
Und es heißt ja, was treue Herzen bitten,
Das sei beim Herrgott gar wohl gelitten! -
Wenn Sie's nun will nicht ungütig nehmen,
Hab' ich noch hier - ich muß mich fast schämen,
Daß es so wenig! - noch ein bisschen fürs Haus,
Das nehm' Sie mit zur Fern' hinaus.
Die Eier sind frisch, - will Sie drauf achten,
So kann Sie sie halten bis nach Weihnachten;
Das Obst ist gut - hab's selber gebrochen,
Das hält nun auch noch manche Wochen -
Doch eß' Sie's gesund mit dem Herrn Schatz,
Und bewahr' uns im Herzen einen kleinen Platz.

Eine Köchin
(Ein Kochbuch überreichend.)
Se sehne mie ja so frintschaftlich uht,
Michte mie nich sägge, wo eck doch find' de Jungfer Brut?
Aha de es et wol, de da ob dem Sopha huckt,
On dat's de Herr Briedjam, den se so frintlich in de Ogen guckt.
Lewe Jungfer Brut eck häb gehört,
Dat Seh ene Käke begehrt,
Drum sie eck gekame mie bede an,
To koake ver Seh on ver dem lewe Herr Mann.
Eck sie zwar olt an Jahre, denn Zäne häb' eck nicht mehr,
Doch en die Köcherie da sie eck recht erfahre,
On backe, backe kann eck enne, dat kann eck sehr.
Doch kein Mönsch is ohne Fehle,
On eck, miene jnädje Brut, well enne nuscht verhähle
On alles segge rein herut
Towiele doh eck en Schnapske gern drinke,
Wenn eck so seh de Flasche blinke,
On gistre drunk eck ehnem to vehl,
Da full eck ever de Lepelstehl; um -
Awer an de Täppe doh eck nich schmengern
Blos - wenn mie dat Herz deit krengeln.
Wenn aber de gnädje Fru will per poste le tant
Uk enmal well nehme de Koakläpel en de Hand,
Well eck gerne lehre, de Grett got antorehre.
Makt de lewe Mann e frindlich Gesöcht,
Glik koake Seh em e godet Geröcht,
Vergete Seh ja nich Peper on Solt,
On wiese Seh em, dat Seh hebbe e Herzke wek wie Schmolt
On dat Seh ver Lew nich verbrenne doot,
Denn wart he gliek wedder goot;
Denn dat glowe Seh mie, de egne Herd
Ja, dei es Goldes wert. Drom hole Seh warm
Alles wat tum Husfred gehört,
Denn ware Seh nie ware an Segen arm.
Von Herze well eck wönsche, dat sull sette alle Dage an de Desch
Freud, Fried on de Gesundheit fresch.
Et micht mie make e grot Plaßer,
Wenn Seh sick michte stecke de Amuletke ver.
Et sen da etzliche Füfkleekes ben,
Dat sull daver got sen, dat kein Mensch
Seh niemals nie nich beheckse kann,
On emmer on ewig enne goot blevt de lewe Mann.
Awer wat gucke mie de Herrschaft sa an?
Glowe Seh, eck war drumschhalwe nuschtcht von de Köcherie verstahn?
Wenn eck häb' gekoakt e god Gerecht,
On mie es noch e Beske buth' geblewe,
Häb eck et genau en dit Bookke opgeschrewe,
Un wenn Seh sick wölle drut belehre,
Mich eck enne gerne - dit Bookke - verehre,
Awer wenn sei mie lache uhtt,
Denn sie eck hier ewrich denn gah eck ruth.
