Ein Milchmädchen
Da bin ich überall umhergelaufen,
Und Keiner will mir die Milch abkaufen;
Das ist doch wahrhaftig ein häßlicher Streich! -
Wißt Ihr was Neues? Ich schenke sie Euch! -
Ihr könnt sie morgen schwerlich entbehren;
Denn Kaffee muß man den Gästen bescheren,
Und überdies, - vom eh'lichen Leben
Kann Kaffee mit Milch ein Beispiel uns geben.
Ihr wißt, was ich meine? Die Milch ist das Weib.
Den Kaffee, - man nimmt ihn zum Zeitvertreib,
Und behilft sich - fehlt es eben an echtem -
Auch wohl mit vaterländischen, schlechten
Zichorien, tut auch wohl Erbsen daran; -
Denn nehmen muß man Kaffee und Mann.
Der Kaffee für sich ist schwarz und bitter.
Die Milch erst gibt ihm Farb' und Geschmack;
Zwar trinken die jungen eh'losen Ritter
Ihn jetzt ohne Milch mit Rum oder Rack;
Allein das sind französische Moden,
Die schicken sich nicht auf deutschem Boden:
Wer Milch und Mädchen entbehren kann,
Der ist kein liebenswürd'ger Mann!
Denn Kaffee ohn' Milch ist herbe und streng.
Und Milch ohne Kaffee ist Kindergetränk.
Nur beides vermischt läßt sich genießen,
Wie Mann und Weib sich das Leben versüßen.
Denn Weib ohne Mann und Mann ohne Weib,
Ist Leib ohne Kopf und Kopf ohne Leib.
Drum habt Ihr Beide es wohl gemacht; -
Und hiermit wünsch' ich Euch: gute Nacht!

Frau Ursel mit dem Pantoffel
(Kleidung: Roter Mantel mit kleinem Kragen von Pelzwerk; schwarz samtene Kapuze, mit Pelzwerk verbrämt; schwarz samtene Handschuhe, die etwas über den Handknöchel reichen, mit Goldstickerei und Pelzwerk besetzt, ohne Finger. - Sie geht am Stabe und trägt einen verschlossenen Korb auf dem Arme.)
O Lühd', mahkt mih 'nen bäten Platz,
Laht't mih 'nen bäten dörch to de Brut un ehren Schatz!
(Zur Braut.)
So! - Goden Abend Mamselling! - Na, dat is woll de Brüjam? -
Söh, dat is jo'n recht smucken jungen Mann. -
(Ach! mih wat dat so suhr to stahn,
Dörw nich de oll' Fruh 'nen bäten sitten gahn?)
(Setzt sich.)
Na! wat ick seggen wull, da säd' mih min Dochter eben,
Dat Se morgen wullen Se Ehr Hoggtiet geben,
Un da ick hier in'n Huhs' so lang' bün uht- un ingahn,
So heww ick mih ohk de Friheit nahm'n,
Se 'n lütt Stück in de Wirtschaft to bringen,
Denn Vörsicht, heet dat jo, is goot in allen Dingen.
Dat is man lütt, äwerst doch nett,
Un'n Schelm, de't bäter gift, as heh't hett.
Mih het't bi minen seelen Mann
Recht sihr gode Deenste dahn.
Dat was ihrst en böses Kruht,
Ümmer wild, ümmer baben hinuht,
Säd' ick man een Wurd, swüll em de Kamm, -
Äwerst toletzt, doa kreeg ick'n doch tamm!
Ja! dat Mannsvolk is aisch Tüg,
Oft düller as Pest un Krieg,
Uns nennen se de bösen Säben
Un drieben 't arger, as de Düwel eben.
So lang se noch as Brüjams sünd,
Denn heet dat ümmer: leewes Kind,
Denn weeten se den Bort to strieken,
Un hinn'n un vör is't soetes M'rieken.
O, denn köhn'n se fiecheln und swenzeln,
Ja, denn weeten se mal to scherwenzeln!
Äwerst hebb'n se man ihrst de Fruh an'n Hals',
Schnupps war'n se anners, schnupps sünd se dwalsch
Denn ihrst kahmen an'n Daag ehre Nücken,
Denn fährt de Düwel se in de Perrücken,
Denn is se ditt nich recht un datt nich recht! -
Mien smeet mih eens mit'n Stävelknecht!
Un pöttenkiekt' un pienigte mih up dat Bloht,
Doa was 't äwerst ohk uht mit mienen Langmoht,
(Den Pantoffel aus dem Korbe hervorziehend.)
Doa rückt' ick em hiermit up siene Sünn'n,
Un von doa an künn ick'n üm'n Finger winn'n.
Se weten nu Bescheed! Mahken Se Ehre Sahken.
(Sie überreicht der Braut den Pantoffel.)
Ick bün 'ne oll' Fruh, heww uht Erfohrung spraken.


Ein Schiffsjunge
(Singend.)
"Das Schiff streicht durch die Wellen, Fridolin;
"Vom Ost die Segel schwellen, Fridolin.
"Überall bin ich zu Hause,
"Überall bin ich bekannt;
"Macht mein Glück im Norden Pause,
"Ist der Süd mein Vaterland.
"Lustig hier und lustig da,
"Juchei! Heißa! Hopsassa!"
Meine Herr'n, vor allen Sachen
Muß ich bitten, Platz zu machen,
Denn ich muß vor allem Andern
Hin zum lieben Brautpaar wandern.
Blitz und Donner! Segel und Mastbaum! Hier sind sie alle Beide. Das ist mir lieb. Hier werde ich schon ein Unterkommen finden. So etwas sehe ich den Leuten schon am Gesichte an. Überhaupt weiß ich immer bald, woher der Wind bläst. Liebes Brautpaar! ich gratuliere Ihnen zu Ihrer großen Seereise auf dem Meere der Ehe. Fragen Sie mich nicht, wer ich sei. Ich bin gegenwärtig ein baronisierendes Universum und habe die wäßrige Idee, Schiffsjunge zu werden. Hören Sie meine Karriere.
Als ich auf die Welt gekommen,
War ich noch ein Kind, ganz klein,
Konnte weiter nichts als schrein.
Später aber zeigt' ich immer
Viel Genie zum guten Schwimmer.
Als ein Knabe von acht Jahren
Wär' ich bald einmal ersoffen,
Hat sich aber noch getroffen
Daß ein Schiffer bei den Haaren
Aus den grausig nassen Wogen
Mich fuchsmunter 'rausgezogen.
Seit der Zeit zeigte ich eine überaus große Vorliebe für das Wasser, und ich entschloß mich, Waschfrau zu werden.
Doch das wollt' mir nicht behagen,
Konnt' die Arbeit nicht vertragen,
Wollt' mich drum zur See begeben,
Um im Wasser ganz zu leben.
Ich ging also nach London, nahm Kriegsdienste zur See und servierte sieben Jahre als Kanonenstöpsel auf einem englischen Linienschiff.
Aber einst im Mittelmeere -
Hu! ich denke dran mit Schrecken -
Mußten wir die Waffen strecken,
Denn wir waren den Korsaren
In die Räuberhand gefahren.
Die schleppten mich fort, und ich mußte später mehrere Jahre als Negersklave in einer Zuckerplantage von Brasilien arbeiten.
Doch dort wollt' mir's gar nicht gehen,
Mußt', wie's Pferd, die Mühle drehen.
D'rum hab' ich die Flucht ergriffen,
Bin entsetzlich ausgekniffen,
Durch den Ozean geschwommen,
Und so glücklich noch entkommen.
Aber wie mir's auch gegangen,
Hab' ich nie den Kopf gehangen,
Munter wie ein Fisch im Teich,
Blieb ich aller Zeit mir gleich.
Die Bagage auf dem Rücken,
Reis' ich durch die ganze Welt,
Bin zu Wasser und zu Lande,
Überall, wo mir's gefällt.
Heute hatte ich vernommen,
Daß Herr (Name des Bräutigams), Admiral,
Eine neue Fahrt beginnet
Mit dem jungen Eh'gemahl,
Daß die Segel schon gezogen,
Auf der Liebe sanften Wogen
Hinzusteuern durch die Welt.
Weil mir diese Fahrt gefällt,
Will ich mich rekommandieren,
Daß Sie sonder Furcht und Scheu
Mich zum Jungen engagieren,
Bin erfahren, klug und treu.
Hab' nicht lange mich bedacht,
Mein Gepäck bald mitgebracht.
(Legt sein Päckchen ab, das ein Geschenk enthält.)
Ich will's gleich hier lassen. Es ist weiter nichts, als einige Zuckerwaren, die ich auf der Plantage in Brasilien gemaust habe.
Morgen bin ich wieder da,
Juchhei! heißa! hopsassa!
(Im Abgehen.)
Überall bin ich zu Hause,
Überall bin ich bekannt;
Macht mein Glück zur Elbe Pause,
Ist die Oder's Vaterland.
Lustig hier und lustig da:
Uhi bene, ibi patria.