Hymen
Ich hab an meinem Gängelbände
Euch fünfundzwanzig Jahr geführt;
Ihr habt in Eurem Ehestande
Zu meiner Freude Euch geriert;
Die Liebe, Eintracht und die Freude,
Sie schlang um Euch ein festes Band;
Den Zwist, den Hader habt Ihr beide,
Die Eifersucht niemals gekannt.
Es war vor fünfundzwanzig Jahren,
Wo Euch verband der heil'ge Schwur,
Die Liebe stets Euch zu bewahren,
Zu folgen ihrer Rosenspur.
Das heitre Los, Ihr habt's gefunden,
Das Ihr ersehnt, geglaubt, gehofft;
Und kamen wohl auch dunkle Stunden,
So kamen sie nicht allzu oft.
Und wie die Braut die Myrte schmückte,
So schmückt sie heut der Silberkranz;
Die Lieb', die damals Euch beglückte,
Sie strahlt noch heut im frischen Glanz.
Mit dieser Liebe in dem Herzen
Bleibt Euch die Jugend immerdar;
Kann Amor nicht mehr lose scherzen,
Bleibt Ihr doch stets ein glücklich Paar.
Und wie ich heute meine Freude
Hatt' an dem würdevollen Paar,
So seh' ich noch einmal Euch beide,
Wenn wieder fünfundzwanzig Jahr
Dahin geflohn im Meer der Zeiten;
Jetzt aber nehmt von meiner Hand
Den Kranz von Silber, den geweihten;
Glück weiter in dem Ehestand!
(Überreicht einen Silberkranz.)

Verronnen
Verronnen sind im raschen Strom der Zeiten
Für Euch, Ihr Lieben, fünfundzwanzig Jahr',
Drum bringe ich, Euch Freude zu bereiten,
Aus frohem Herzen meine Wünsche dar.
Es leuchtet heut' in jedem Strahl der Sonne
Für Euch, Ihr Braven, Freude, Lust und Wonne.
Nicht Jeder kann dies schöne Glück genießen,
Das für Euch beide heut' so freundlich lacht,
Der Herr des Himmels ließ Euch Segen fließen
Und hat Euch bis zu diesem Tag gebracht,
Ein heller Schein umstrahlet Euch im Glanze,
Und schmückt das Haupt Euch mit dem Silberkranze.
Es stehen dankend heute am Altare
Die lieben Sprossen, Eure Kinderschar,
Sie loben Gott, der fünfundzwanzig Jahre
Zu jeder Zeit der Eltern Schutzgeist war,
Es jubeln laut die nahen Blutsverwandte,
Es freuen sich selbst Freunde und Bekannte.
Seht, fünfundzwanzig Jahre vorwärts denken,
Das ist beinahe eine Ewigkeit,
Doch für zwei Gatten, die sich Liebe schenken,
Denkt man zurück, - war's nur die Flitterzeit.
Ihr müßt Euch wahrlich heute selbst gestehn,
Wie rasch die Jahre in der Eh' vergehn!
Froh habt geteilt Ihr Freude, Last und Sorgen,
Der Friedensengel wohnte in dem Haus,
Nur Lieb' und Treue lag für Euch geborgen,
Eintracht ging täglich bei Euch ein und aus.
Es störte Zwietracht nie das Eheglück,
Die Liebe trotzte jedem Mißgeschick.
Drum mutig vorwärts durch dies Erdenleben!
Stets Hand in Hand zum gold'nen Hochzeitstag!
Gesundheit mög' der Herr Euch fernet geben,
Daß stets die Zukunft heiter zu Euch lach'!
Jetzt hoch die Gläser, jubelt Alle laut
Ein Hoch dem Silber.Bräutigam und Braut!

Von Kindern an ihre Eltern
Teure Eltern, Dankbarkeit und Liebe
Schuf mit ehrfurchtsvollem Triebe
Heute diesen Kranz, und wand
Um ihn her das silberfarb'ne Band!
Schöner stand vor fünf und zwanzig Jahren
Nicht der Kranz einst in den Haaren
Unsrer Mutter! Denn es weiht
Kranz und Band der Kinder Zärtlichkeit.
Nehmt daher es gütig bei der Feier
Eures Tages an; denn treuer
Ist kein Opfer! es enthält
Unsre höchsten Wünsche in der Welt.
Und es grünet, wie des Kranzes Schöne,
Eurer Töchter, Eurer Söhne
Froher Hoffnung frisches Grün,
Daß der Freude Blümchen ferner blühn.
Und gleich Eures Mittags schönsten Tagen
Wonnevoll und ohne Klagen,
Euer Abend, schattenfrei,
Wie des Silberbandes Farbe sei;
Daß, so heischt es unser innig Flehen,
Wir das goldne Fest noch sehen,
Und mit Euch noch im Verein,
Teure Eltern unsres Glücks uns freun!
Eine Freundin
Reich an wechselnden Gestalten
Ist des Lebens buntes Bild;
Heil dem, dem's in schöner Fülle
Seine Wonne stets enthüllt.
Diese Wonne, die in's Leben
Wie ein Demant strahlt hinein;
Was auf Erden könnt es anders
Als der Jugend Liebe sein?
Heut vor fünfundzwanzig Jahren
Haben wir die teure Braut,
Prangend in des Lebens Lenze,
In dem Myrtenkranz geschaut.
Damals nahte Dir die Hoffnung
Noch im rosigen Gewand,
Schlang beglückend und beseel'gend
Bald um Dich das schönste Band.
Hoffnungen so froh und heiter
Konnten da das Herz erfreu'n,
Tausend Wünsche führten segnend
Dich zum Ehebunde ein.
Und was Du ersehnt, gehoffet,
War nicht eines Traumes Bild
Alles, Alles hat sich glücklich
In der Wirklichkeit erfüllt.
Stunden, Tage, Jahre saht Ihr
Wechselnd Euch vorüberfliehn.
Und darin so manche Freude,
Manche Wonne Euch erblühn.
Doch der Blumen allerschönste,
Die die schönsten Knospen trieb,
War die Lieb' und Gegenliebe
Die Euch bis zur Stunde blieb.
Und ob Jahr' auf Jahre schwinden,
Ob der Jugend Glanz entflieht,
Ob zu tändelnd süßen Freuden
Nicht mehr hinzieht das Gemüt:
Schlang der Treue Band sich feste
Doch um Euch für alle Zeit,
Um vereinet stets zu tragen
Jedes Glück und jedes Leid.
Ernster ist der Blick geworden,
Ruhiger das Herz heut schlägt,
Aber Liebe, treue Liebe
Immerdar es noch bewegt.
(Zur Braut.)
Teure Braut! wie einst die Myrte
Sich um Deine Schläfe wand.
Als vor fünfundzwanzig Jahren
Herz sich einst zum Herzen fand:
Also windet um die Stirne
Heute sich ein andrer Kranz,
Aber glaube mir, er strahlet
In erhöhtem, schönerm Glanz.
(Reicht ihr den Silberkranz.)
Zeigte Dir die Myrte freundlich
Das zu hoffende Geschick,
Will der Silberkranz Dir sagen,
Daß Du wirklich fand'st das Glück.

Kinder an ihre Eltern
Als einst der Liebe Zauberband
Mit Myrten Eure Locken kränzte,
Und süßer Freuden Wunderland
Euch wonnevoll entgegen glänzte,
Da blühte Glück um Glück, da war
Elysium die Welt voll Mängel,
Und seliger als Gottes Engel
Erschien das vielgeliebte Paar.
Woran das Herz mit Sehnsucht hing
Ihr hattet liebend es errungen,
Der Himmel gab den goldnen Ring,
Vom Band der Treue sanft umschlungen,
Gesegnet ward der Liebe Bund;
Und feierlich ward das Versprechen,
Ihn bis zum Tode nie zu brechen,
Dem Geist im Sternendome kund.
Heil Euch! Ihr habt Euch treu geliebt,
Ob auch die Jahre hingeflossen;
Ihr habt das Leben nie getrübt.
Euch hielt ein Rosenband umschlossen!
Die reinste Seelenharmonie
Beschirmet stets das Glück der Ehe,
Und kommen Tränen auch und Wehe,
Sie lächelt stets und mildert sie.
Seid uns gegrüßt in Festes Glanz
In diesen frohen sel'gen Stunden!
Seid uns gegrüßt im Silberglanz,
Der Euch aufs Neue hat verbunden!
Sieht man ein Kleinod auch allein
Dem treuen Ring zur Seite blitzen,
So wird, beim Glück es zu besitzen,
Unschätzbar Euch dies Kleinod sein.
O wandelt ferner froh und leicht,
Begleitet stets von Gottes Segen!
Wem Gott der Herr die Rechte reicht,
Dem blüht das Glück auf allen Wegen
Bringt ihm der Liebe heißen Dank.
Frohlocket laut zu seinem Ruhme,
In seines Tempels Heiligtume
Erschalle ihm ein Lobgesang!
